Dienstag, 11. August 2009

Immer dieser Stress mit dem Mond

Sie waren am Donnerstag beim Friseur und sind mit dem Ergebnis so gar nicht zufrieden? Kein Wunder, denn an diesem Tag stand der Mond im Zeichen des Skorpions - und da gelingen Frisuren nun einmal nicht, weiß man doch. Friseurmeisterin Angelika Giersch aus Norderstedt jedenfalls weiß genau um die Zusammenhänge zwischen der Position des Erdtrabanten und dem perfekten Sitz einer Dauerwelle. "Das beeinflusst sich alles", sagt die 51-Jährige, "und Kunden, die sich danach richten, haben mir bestätigt, dass es funktioniert." Wer also möchte, dass sein Haar nach dem Schneiden besonders kräftig wächst, der geht am 3. oder 4. August zum Friseur, dann nämlich haben wir Steinbockmond, und die Haarwurzeln werden es dem Mond danken.

Hamburger Abendblatt

Die Welt ist eine Brücke

Die Welt ist eine Brücke. Geh über sie hinüber, aber lass dich nicht darauf nieder. (Apokryphes Jesuswort, sehr weit aus dem Osten stammend, die Nähe zum indischen Denken ist unverkennbar.)

Dem Himmel näher

Gebetsflug gegen Schweinegrippe

JERUSALEM (inn) - Mit einer seltenen Maßnahme haben 50 Rabbiner und Kabbalisten in Israel am Montag der Schweinegrippe den Kampf angesagt: Sie ließen sich mit einem Flugzeug über das Land fliegen - während des Fluges sprachen sie spezielle Gebete und bliesen sieben Mal das Schofarhorn.

"Ziel unseres Fluges war es, die Epidemie zu stoppen, und somit weitere Todesfälle zu verhindern. Wir sind sicher, dass die Gefahr aufgrund unserer Gebete bereits hinter uns liegt", sagte Rabbi Jitzhak Batzri laut der Tageszeitung "Jediot Aharonot". Seine Vorfahren hatten während des Zweiten Weltkrieges das Konzept der Gebetsflüge entwickelt.

Es war erst das dritte Mal seit der Gründung des Staates Israel im Jahr 1948, dass ein solcher Flug veranstaltet wurde. Erstmals war 1991 während des Ersten Golfkrieges ein Gebetsflug durchgeführt worden. Im Jahr 1996 hatten Rabbiner aufgrund der Terrorwelle, die das Land erschütterte, ebenfalls über den Wolken gebetet.

Bislang sind in Israel fünf Menschen an der Schweinegrippe gestorben. Laut Angaben des Gesundheitsministeriums vom Sonntag sind mindestens 2.000 Menschen im jüdischen Staat mit dem H1N1-Virus infiziert.


Gefunden auf Israelnetz.com

Urlaub

Elf Tage war ich in Deutschland unterwegs. Dann wurde die Sehnsucht nach Wien wieder zu stark. Aber für einen Reisemuffel wie mich sind elf Tage schon ganz schön viel.

Freitag, 31. Juli 2009

Ultraklerikaler Rundumschlag gegen Walter Jens

Der Protestant Walter Jens (86) war Rhetorik-Professor in Tübingen und Weggefährte des antikirchlichen Theologen, Hw. Hans Küng.

Jens wurde für seine kirchenfeindlichen Stellungnahmen bekannt und saß im Beirat der deutschen Kirchenhaß-Organisation ‘Humanistische Union’.

In seiner Jugend war er auch Mitglied der ‘Hitlerjugend’, des NS-Studentenbundes und der ‘Nationalsozialistischen deutschen Arbeiterpartei’.

Um davon abzulenken, liebt er es, eine angebliche Schuld der von den Nationalsozialisten verfolgten Kirche an deren Verbrechen herbeizureden.

Doch seit dem Jahr 2004 ist Jens demenzkrank. In der Vergangenheit hat Jens auf der Linie seiner NS-Vergangenheit die Euthanasierung demenzkranker Menschen propagandiert.

Jens kann durch die Krankheit nicht mehr lesen und kaum noch reden – – zitiert ‘Bild Online’ Ehefrau Inge (82).

Es stehe in der Patientenverfügung des Ehepaares Jens, „daß ihr Mann so, wie er jetzt leben muß, niemals hat leben wollen.“ Sein Zustand sei schrecklicher als jede Vorstellung.

Trotzdem ist sich Frau Jens sicher, daß der ehemalige Nationalsozialist und Euthanasierungs-Ideologe an seinem Leben hängt und nicht sterben will: „Neulich hat er gesagt: »Nicht totmachen, bitte nicht totmachen.«“

Frau Jens ist sich „nach vielen qualvollen Überlegungen absolut sicher, daß mich mein Mann jetzt nicht um Sterbenshilfe, sondern um Lebenshilfe bittet“.

Es gebe noch Momente in seinem Leben, die ihm große Freude bereiteten. Zum Beispiel esse er mit „allergrößtem Vergnügen“.

Die Erfahrungen mit ihrem Mann läßt Frau Jens über die Verbindlichkeit von Patientenverfügungen zweifeln.

Trotzdem hat sie sich entschieden, beim nächsten Asthmaanfall ihres Mannes nur noch qualmindernde, aber keine lebenserhaltenden Medikamente mehr zuzulassen.

Donnerstag, 30. Juli 2009

Für und gegen Gott

Zwar nicht auf Bussen, wohl aber auf einigen Plakatwänden ist die atheistische Propaganda nun auch in Wien zu sehen. Hier einige Reaktionen aus "Heute" vom 21.07.2009.
Der erste Leserbrief des Ernst Schöberl legt den Finger auf einen wichtigen Punkt: Dass solche Aktionen in europäischen Ländern überhaupt möglich sind, hat etwas mit der abendländischen Toleranz in religiösen Fragen zu tun. Die kannten wir zwar auch nicht immer, haben sie aber doch nun immerhin seit der Aufklärungszeit.

Aber es gibt auch anderes in Wien (Standard 11./12. Juli 2009, S.1):

Petrus und Paulus

Matthias Winna, der liebenswürdige katholische Pfarrer von Pötzleinsdorf pflegt die Schnitzkunst. Anlässlich seines Goldenen Priesterjubiläums im Juni ließ er diese Karte mit einer seiner Arbeiten drucken.

Todesstrafe in China

(…) Erschreckend viele Wege führen in China zum Schafott: 68 Tatbestände sehen den Tod vor, von Gewalttaten wie Mord, Raub und Vergewaltigung über exotische Delikte wie Tötung von Pandabären und Plünderung archäologischer Stätten bis zu gewaltfreien Vergehen wie Diebstahl von Benzin, Steuerflucht und Veruntreuung. Andere todeswürdige Taten sind u.a. Kreditkartenbetrug, Verkauf schädlicher Lebensmittel, Herstellung pornografischen Materials und schwerer Gemüsediebstahl.

Schnell und strikt strafen

Die vielen Todesurteile sind auf die seit 1983 laufenden Anti-Kriminalitätskampagnen „Yanda“ („hartes Durchgreifen“) zurückzuführen. Ihr Ziel: Kriminelle schnell und strikt zu strafen. Allein in den ersten zwei Monaten nach Beginn der Kampagne sollen laut AI 1000 Menschen hingerichtet worden sein. Die Praxis des Strafrechts in China ist bis heute durch willkürliche Verhaftungen, gewaltsame Verhöre, mangelnde Verteidigungsmöglichkeiten und politisch motivierte Urteile gekennzeichnet.

Zuletzt gab es freilich eindämmende Tendenzen: So werden in der Praxis bei geringfügigeren Delikten der „Todesliste“ meist Haft- oder Geldstrafen verhängt. Seit 2007 sind die Obersten Provinzgerichte nicht mehr höchste Instanz im Strafprozess, Todesurteile müssen durch einen der drei neuen Strafgerichtshöfe des Höchstgerichts in Peking überprüft werden. Und Zhang Jun, Vizepräsident des Obersten Volksgerichts, kündigte diese Woche eine Minderung der Exekutionen an. Es solle „so wenig Todesurteile wie möglich“ geben.

Massenhinrichtung zum Feiertag


Chinesische Politiker begegnen internationaler Kritik mit dem Argument, dass die Todesstrafe nötig sei, weil sie vom Volk als Vergeltung verlangt werde. Wie viele Exekutionen es heuer geben wird, wird sich im späten Herbst zeigen: Statistiken zufolge finden sie in China oft in Form von Massenexekutionen vor Feiertagen statt – speziell vor dem 1. Oktober, dem Gründungstag der Volksrepublik.

Vor einigen Jahren noch wurde man nach der Verurteilung meist gleich erschossen. Das war umständlich, da viele Verurteilte etliche Schüsse bis zum Tod brauchten. Seit 2003 setzt man in einigen Südprovinzen wie Sichuan und Yunnan nun mobile „Exekutionsbusse“ ein. In diesen speziellen Mini-Bussen der Marke Toyota mit der Aufschrift „Fayuan“ („Gericht“) werden die Todeskandidaten mit einer Giftspritze statt mit einem Schuss in den Hinterkopf getötet.

Modernes „Exekutionsmobil“

Doch Toyota hat Konkurrenz: In der Jangtse-Metropole Chongqing werden chinesische Reisebusse der Marke „Jinguan“ („Goldene Krone“) zu acht Meter langen „Exekutionsmobilen“ namens „Shenglu“ („heiliger Weg“) umgebaut. Im Internet wirbt Jinguan für die Ausstattung des Wagens, darunter eine elektrisch betriebene Exekutionsbahre, ein Überwachungssystem mit LCD-Display, ein Leichenkasten und ein elektronisches Desinfektionssystem. (…)


Lisa Rock, Justiz in China: Die 68 Wege zum Schafott, Die Presse (Druckausgabe 31.07.2009)

Fundsache

Beim Aufräumen gefunden: Eine 32 Jahre alte Tuschezeichnung...

Ewige Gegenwart

Im späten Mittelalter waren die Weinbrunnen eine gängige Form der Herrscherrepräsentation. Bei Königskrönungen wurden sie – in bester Innenstadtlage – aufgestellt und spendeten für ein paar Stunden unbegrenzten Alkoholgenuss. Mit Fug und Recht kann man das als Flatrate-Saufen avant la lettre bezeichnen. Das waren aber Ausnahmesituationen. Heute neigt jeder Exzess dazu, zum Normalzustand zu werden. In vielen deutschen Städten ist das unkontrollierte, unlimitierte Trinken, vor allem unter Jugendlichen, zu einem ernsthaften sozialen Problem geworden.

Verschiedene Kommunen, beispielsweise Freiburg, Marburg oder Magdeburg, haben darauf mit zeitlich und räumlich begrenzten Konsumverboten reagiert. An Wochenenden darf in bestimmten Innenstadtvierteln nicht mehr öffentlich Alkohol konsumiert werden. Gerade war jedoch ein Freiburger Jurastudent mit seiner Klage gegen die lokale Regelung vor dem Baden-Württembergischen Verwaltungsgerichtshof erfolgreich; die Folgen des Urteils sind abzuwarten. Just in Baden-Württemberg aber hat die Landesregierung kürzlich ein nächtliches Alkoholverkaufsverbot für Tankstellen, Kioske und Supermärkte beschlossen, um das sogenannte Vorglühen zu bekämpfen, das besonders in entlegeneren Gegenden „Shell Select“ oder „Aral Stores“ am Wochenende zu beliebten Party-Treffpunkten macht.

Anspruch ständiger Verfügbarkeit

Solche Verbote passen scheinbar nicht mehr in unsere Zeit. Sie kollidieren mit der stetigen Ausweitung von vermeintlichen Freiheitsräumen in vielen Bereichen des Alltags, der zuletzt allein das Rauchverbot zuwiderlief. Dort konnte man aber leicht mit den gesundheitlichen Folgen für Unbeteiligte argumentieren. Beim Alkoholverbot ist schwerer zu vermitteln, warum die Ausschweifungen einiger, die damit vor allem sich selbst schädigen, die Rechte aller einschränken sollen.

Jenseits von rechtlichen Fragen liegt hier ein grundsätzliches Problem. In der Konsumsphäre hat sich ein Mentalitätswandel vollzogen, der keineswegs allein von der jungen Generation getragen wird. Freiheit wird zunehmend verstanden als unbegrenzter Zugang zu Konsumangeboten aller Art. Dass der Begriff „Flatrate-Saufen“ der Mobilfunk- und Internetwelt entlehnt ist, ist kein Zufall. Eine Werbekampagne für einen Mobilfunkanbieter verspricht „unbegrenzte Redefreiheit“ und meint damit natürlich nur einen besonders günstigen Abrechnungsmodus. Im Online-Shopping ist längst eine Norm ständiger Verfügbarkeit gesetzt, die die ganze Welt des Handels kontaminiert. Downloaden kann man immer und überall. Warum nicht alles andere auch?

Während früher nicht nur auf dem Dorf samstags mittags um zwölf Uhr dreißig der Rollladen herunterging, ist es inzwischen selbstverständlich geworden, in Innenstädten bis Mitternacht einkaufen zu können. Manche „Spätverkäufe“ oder „Trinkhallen“ ähneln heute Weinfachgeschäften. In Berlin-Mitte gehört das Samstagabend-Shoppen bei Dussmann zum Lebensstil dazu. Die Sonntagsruhe ist trotz gegenteiliger Beteuerungen in vielen Großstädten längst von Ausnahmen durchlöchert.

Die Entwicklung des Privatfernsehens zu einer dem Internet analogen, ständig verfügbaren Videothek und die zunehmende Verbreitung mobilen Zugangs zum Netz mit all seinen Konsumangeboten (einschließlich deren jeweiligen Suchtpotentialen) haben einen Sog entwickelt, der auch alle anderen Lebensbereiche verändert. Immer mehr Museen öffnen auch abends, veranstalten „Lange Nächte“, als könnte man zu dieser Zeit nichts anderes tun, als Ausstellungen zu besuchen. Sozialer Fortschritt scheint sich zu definieren als Aufhebung von Schranken. Telos ist die ort- und zeitlose Garantie sofortiger Bedürfnisbefriedigung.

Die vielen Ausweitungen der Konsumzone haben inzwischen einen Sprung von der Quantität in die Qualität vollzogen. Wenn Rollenspieler in virtuellen Welten jedes reale Zeitgefühl verlieren – Kennzeichen von Suchtkrankheiten im Netz ist ja unter anderem die Entkopplung von „normalen“ Essens- oder Schlafzeiten –, so bewegt sich die Gesellschaft als Ganzes immer weiter in die Richtung einer Aufhebung von Rhythmen und Zeitstrukturen zugunsten der ewigen Gegenwart unbegrenzten Zugriffs auf alles. Dass man an einem bestimmten Ort etwas, also eine Information, einen Artikel oder eben ein Bier, nicht kriegt (oder kein Netz hat, um es sich wenigstens schon einmal zu bestellen), wird nicht mehr als normale und naturgegebene Einschränkung empfunden, sondern als Rückständigkeit, die überwunden werden muss und wird.

Wir alle tragen diese Entwicklung mit. Wer kein Handy besitzt oder seine Mails nicht täglich abruft, dem droht in manchen Kreisen die soziale Ächtung. Mit der Möglichkeit, ständig zu kommunizieren, geht automatisch auch die Pflicht dazu einher. Wer spricht, wird auch angesprochen; mit den Kommunikationsradien wächst die Erreichbarkeit für Werbung. Unterhaltung ist überall und mit ihr die Verführung zu Flucht und Sucht. Warum man in dieser Welt des unendlichen Spaßes dann ausgerechnet den Alkohol auf der Gasse verbieten will, will den restlos befreiten Konsumenten dann nicht mehr einleuchten.


Richard Kämmerlings: Ausweitung der Trinkzone, FAZ 30. Juli 2009

Die Flatrate-Mentalität hat inzwischen sogar das älteste Gewerbe der Welt erfasst, wie man jüngst deutschen Zeitungen entnehmen konnte.

Nicht nur die Museen veranstalten "Lange Nächte", die Kirchen auch. Es ist sehr schwierig, sich diesem Zeitgeist zu entziehen.

Was waren das für Zeiten, in denen das Fernsehprogramm in der Nacht von Samstag auf Sonntag um halb zwei Uhr endete. Dann kam das Testbild - und nichts sonst. Wenn man heutigen Jugendlichen davon erzählt, ist es so, als rede man über das Mittelalter.