Montag, 17. November 2008

Alkohol

Am späteren Freitagabend in der U-Bahn habe ich das Gefühl: 80 bis 90 Prozent der Fahrgäste sind mehr oder weniger betrunken. Ein Gang durch die Innere Stadt bestärkt mich in dem Eindruck. Vor allem Jugendliche sind unterwegs, die meisten sind alkoholisiert, viele haben ihre Bierdosen in der Hand. 
Was wäre dieses Land, was wäre Mitteluropa oder die westliche Welt überhaupt ohne Alkohol?
Unter den Weltreligionen nehmen Judentum und Christentum als einzige dem Alkohol gegenüber eine wohlwollende Position ein. Im Christentum steht der Wein sogar im Zentrum des heiligsten Ritus (Eucharistie / Abendmahl). Das Trinken gehört zu unserer westlichen Kultur. Durch Jahrtausende war Europa dank christlicher Ethik insgesamt trotzdem ein erfolgreicher Kontinent. Aber seit die Werte des Maßhaltens, des Fleißes usw. einer Kultur der sofortigen Bedürfnisbefriedigung Platz gemacht haben, sieht die Sache anders aus. Wie viel an Wirtschaftskraft geht uns durch den Alkoholkonsum und seine Folgen verloren, wie viele Krankheiten, wie viele Frühpensionierungen wären vermeidbar? Wie viele Ehen und Familie zerbrechen am Alkoholmissbrauch, wie viele Unfälle sind der Trunkenheit zuzuschreiben?
Die östliche Hemisphäre wird den Westen wirtschaftlich überrunden, die Kulturen der Mäßigung tragen den Sieg davon über Europa und Nordamerika, die versoffene erste Welt.

Lutherkirche: Variation


So viel Gewalt denn doch nicht...

Nach einer umstrittenen Premiere ist am Freitagabend an der Leipziger Oper die überarbeitete Inszenierung des "Fliegenden Holländers" ohne Zwischenfälle über die Bühne gegangen.

Bei der Premiere vor rund fünf Wochen hatte ein in die Aufführung eingebundenes Gewalt-Video für Tumulte gesorgt. Zuschauer quittierten damals die gezeigten Szenen mit Pfiffen und Buh-Rufen und verließen bereits nach kurzer Zeit die Oper. Der Leipziger Wagner-Verband forderte wiederholt die Absetzung des Stücks. Für die Neuinszenierung hatte die Oper das Video entschärft und auf einzelne Szenen verzichtet.

Auf Unmut war bei der Premiere unter anderem die Darstellung einer tödlichen Kampfhund-Attacke gestoßen. Szenen aus einem Schlachthaus waren am Freitag aber weiterhin zu sehen. Dennoch feierte das Publikum nach der rund zweieinhalbstündigen Aufführung das neu besetzte Ensemble. (...)

Berliner Morgenpost (Onlineausgabe), 16.11.2008

Sonntag, 16. November 2008

U6 Gumpendorfer Straße


Neuerdings vielfältig: Der Umgang mit dem Tod

Der Abschied, er dauerte drei Tage, so lange eben wie der Verstorbene in seinem Haus aufgebahrt wurde. Im offenen Sarg. Und wenn der Tote hinausgetragen wurde, zur Beerdigung, dann geschah das mit den Füßen zuerst. Denn wäre sein Gesicht dem Haus zugewandt gewesen, hätte er womöglich dorthin zurückkehren wollen und keine Ruhe im Grab finden können.

„Die Rituale, die früher gepflegt wurden, gaben den Menschen Halt. Heute ist der Tod sehr schnell geworden, aus dem Leben ausgegliedert”, sagt die Münsteraner Volkskundlerin Christiane Cantauw. Die 44-Jährige hat sich intensiv mit dem Tod und dem Umgang mit ihm befasst und stellt fest, dass die Menschen heute mehr denn je auf der Suche sind nach Formen des Abschiedes. Von der klassischen christlichen Bestattung über die Dixieland-Band am Grab bis hin zur Beisetzung der Urne in einem Friedwald. Aber gleichzeitig sei der Tod so weit weg wie nie. „Wer hat heute schon noch einen Toten gesehen!”, sagt Cantauw.

Auf dem Land wurden diese Rituale noch lange gepflegt, länger eben als in den großen Städten, in denen es bereits im 19. Jahrhundert erste Leichenhallen gab. Nachbarn waren es, sogenannte Notnachbarn, die bei wichtigen Familienereignissen Aufgaben übernahmen. Den Haushalt, das Versorgen der Kinder, wenn die Nachbarin nach einer Geburt im Wochenbett lag. Aber sie waren auch die Helfer in der Not, wenn es einen Toten zu betrauern gab. Fütterten das Vieh, brachten den Trauernden Essen, wuschen und kleideten den Toten ein. Noch am selben Tag nämlich kam der Zimmermann ins Haus, nahm Maß und fertigte aus zu diesem Zweck in der Scheune oder auf dem Dachboden gelagerten Brettern den Sarg.

Der Umgang mit dem Tod ist so vielfältig wie nie zuvor

„Tatsächlich lagen zumindest für jeden Erwachsenen die Bretter parat, die einmal für das Begräbnis benötigt wurden. Auch das Leinen für das Totenhemd gehörte zur Aussteuer einer Braut”, erklärt Christiane Cantauw. War der Tod im Haus, hielt man die Uhren an, verdeckte die Spiegel und öffnete die Fenster, damit die Seele des Verstorbenen so schnell wie möglich das Sterbezimmer verlassen konnte. In den drei Tagen nach dem Tod versammelten sich Angehörige und Nachbarn rund um den Aufgebahrten zum Beten.

Aber auch das Begräbnis selbst verlief nach genau festgelegten Bräuchen. War der Weg zum Friedhof nahe, so wurde der Sarg von den Notnachbarn dort hingetragen, war er weiter, folgten die Trauernden einem Wagen über festgelegte Wege. „Liekweg”, Leichenwege, nannte man sie im Niederdeutschen. Die Handschuhe der Sargträger wurden dabei nur dieses eine Mal benutzt, ebenso wie die Nadel, mit der das Totenhemd genäht worden war. Cantauw: „Sie wurden mitbegraben.” Eins blieb, bis heute: der Streuselkuchen zum Beerdigungskaffee.

Heute, in Zeiten, in denen immer mehr Menschen nicht mehr konfessionell gebunden sind, ist der Umgang so vielfältig wie nie zuvor. Alles, fast alles zumindest, ist möglich. Eigentlich auch die Aufbahrung eines Verstorbenen zu Hause. „Aber versuchen sie dafür einmal ein Beerdigungs-Institut zu finden! Das ist sehr schwer”, sagt Christiane Cantauw und erzählt von weitläufig Bekannten, die ihr bei der Geburt gestorbenes Baby aus dem Krankenhaus tatsächlich nach Hause nahmen. „Sie wollten Abschied nehmen und ihrem älteren Kind auch diese Möglichkeit geben”, erklärt die Volkskundlerin.

Die Normalität sei heute jedoch der Tod im Krankenhaus. Sofort setze, so Cantauw, eine ganze Maschinerie ein. Auch wenn ein Mensch zu Hause sterbe, wenn der Notarzt gerufen werde, dauere es doch höchstens eine halbe Stunde bis der Verstorbene ins Leichenhaus abtransportiert werde. Dem Angehörigen, der noch ganz unter Schock steht, müsse dies alles wie ein böser Traum vorkommen.

Dabei übernehmen heute Beerdigungsinstitute längst nicht nur das Nötige, sie verstehen sich mehr und mehr als Trauerbegleiter. Begleiter für eine kurze Zeit. Denn wer trägt heute noch ein Jahr lang Schwarz? Was früher auch ein Zeichen für andere war, Rücksicht zu nehmen, ist längst als Äußerlichkeit abgestreift worden. Vielleicht nimmt man ein, zwei Wochen Urlaub. Aber dann wird wieder gearbeitet, wieder funktioniert.

Gefunden auf derwesten.de

Freitag, 14. November 2008

Unser Kindergarten

Das Haus Martinstraße 23 ist das "Zinshaus" der Pfarrgemeinde. Neben diversen Dienst- und Mietwohnungen, einer Arztpraxis und einer Trafik beherbegt es auch den dreigruppigen Kindergarten und die zweigruppige Kinderkrippe.

De iuventute

Neulich in der Straßenbahn: Ein verschleiertes muslimisches Mädchen telefoniert ganz selbstverständlich mit ihrem IPod. Offenbar eine Frucht des interkulturellen Gruppenzwangs, dem auch muslimische Eltern keinen Widerstand mehr entgegen setzen können.
Kindern und Jugendlichen werden mit solcher Selbstverständlichkeit Wünsche erfüllt nach materiellen Gütern oder Geld, dass der Übergang ins Erwachsenenleben einerseits gar nicht reizvoll ist (Warum soll ich arbeiten gehen? Meine Mutter gibt mir doch Geld zum Weggehen!) und andererseits immer schwerer fällt. Dass es Mühe macht, sich sein täglich Brot und sein Obdach zu verdienen, dass diese Mühe aber andererseits auch Befriedigung verschafft - unsere Jugend will das lieber gar nicht wissen. Solche Gedanken kommen mir leider nicht selten im Umgang mit meinen Schülern.
Was mir da auch auffällt, ist das Verschwinden der Neugier. Es scheint an der medialen Überflutung zu liegen, dass viele Jugendliche tatsächlich immer weniger interessiert, dass sie sich nur sehr schwer für etwas begeistern lassen. Vor dreißig Jahren waren wir irgendwie alle links und für die Revolution, wir wollten die Welt retten oder jedenfalls verändern. Heutige Siebzehnjährige denken kaum weiter als bis zum nächsten Wochenende, und ihr Horizont endet leider oftmals mit dem eigenen Freundeskreis. So gesehen, sollten Lehrer an Höheren Schulen viel mehr Pädagogik studieren und viel weniger Fachwissenschaften. Auf sie wartet eine Aufgabe, die leider oftmals der von Animateuren gleicht.

Solche Gedanken gehen mir oft durch den Kopf. Ich merke, dass ich alt werde. Oder jedenfalls älter. Oder dass die Welt sich einfach sehr geändert hat in den letzten dreißig Jahren.

Abends im Grätzel


Donnerstag, 13. November 2008

Ein letzter Schritt

Gertraud Knoll wegen Haider-Lob aus Kirche ausgetreten

Ehemalige Superintendentin und SPÖ-Abgeordnete protestierte gegen Nachruf in Kärntner Hirtenbrief - Bischof Bünker kritisiert den Ausstieg

Wien - Die langjährige burgenländische Superintendentin Gertraud Knoll ist aus der evangelischen Kirche ausgetreten. Wie die Zeitschrift "News" am Donnerstag berichtete, reagiert Knoll damit auf einen Hirtenbrief, in dem der Kärntner Superintendent Manfred Sauer den verstorbenen Landeshauptmann Jörg Haider gelobt hatte. Nachdem eine Reaktion der Kirchenführung ausgeblieben war, habe sie "als Ausdruck meiner protestantischen Identität" ihr Austritt erklärt, so Knoll. Kritik an ihrem Schritt kam vom evangelischen Bischof Michael Bünker.

"Missbrauch" des Hirtenbriefs

Der Kärntner Superintendent Sauer (das Amt entspricht dem eines katholischen Bischofs, Anm.) hat Haider demnach als "charismatischen und leidenschaftlichen Politiker mit Leib und Seele" bezeichnet, "der wie kein anderer das politische Geschehen der Zweiten Republik mitgeprägt und gestaltet hat. (...) ein äußerst zuvorkommender, herzlicher und einfühlsamer Mensch (...) Er hat oft sehr spontan und unbürokratisch geholfen."

Ein Hirtenbrief muss am Sonntag in jedem Gottesdienst verlesen werden. Knoll spricht von einem "Missbrauch" dieses Instruments durch Sauer. Sie war bis zur Nationalratswahl SPÖ-Abgeordnete, hat nun aber kein Mandat mehr.

Die evangelisch-lutherische Kirchenleitung hat den Austritt Knolls "zur Kenntnis genommen". Es sei "immer schade, wenn ein Mensch sich entscheidet, seine Kirche zu verlassen", sagte Bischof Michael Bünker gegenüber dem Evangelischen Pressedienst. Persönlich bedaure er diesen Austritt wie jeden anderen. Die persönliche Entscheidung der früheren Superintendentin und nunmehrigen SPÖ-Politikerin kann Bünker "nicht nachvollziehen". "Sachliche Kontroversen lösen wir in unserer demokratischen Kirche nicht mit Austreten, sondern mit Auftreten", so der Bischof. (APA)

Der Standard 13.11.2008

Die damalige Superintendentin hatte vor einigen Jahren erfolglos bei der Bundespräsidentenwahl kandidiert, seither hat sie keine kirchlichen Ämter mehr inne.