Sonntag, 23. August 2009

Der Erforschung wert, wahrhaftig...


Black Metal Theory Symposium
Metal. Theory. Mutual Blackening.

December 12, 2009, 1:00-7:00 p.m
Public Assembly
70 North 6th St.
Brooklyn, NY
Cover charge: $10.00

PAPERS

Erik Butler, “The Counter-Reformation in Stone and Metal: Spiritual Substances”

Hunter Hunt-Hendrix
, TBA

Nicola Masciandaro, “Anti-Cosmosis: Black Mahapralaya”

Benjamin Noys, “‘Remain true to the earth!’: Remarks on the Politics of Black Metal” (in absentia)

Joseph Russo, TBA

Anthony Sciscione, TBA

Niall Scott, “Black Confessions and Absu-lution”

Steven Shakespeare, “The light that illuminates itself, the dark that soils itself: blackened notes from Schelling’s underground”

Aspasia Stephanou, “Black Metal and Evil”

Brandon Stosuy, TBA

Evan Calder Williams, “The Headless Horsemen of the Apocalypse”

Scott Wilson, “BAsileus philosoPHOrum METaloricum”



ART

Lionel Maunz, sculpture

Nader Sadek, Baptism in Black (Phase II)

Zugesperrt

Anpassung an die Umstände

Game-over in der Verlagslandschaft

Der renommierte Zürcher Ammann Verlag wirft das Handtuch. Die Feuilletons vergießen Krokodilstränen - Dabei dürfte das erst der Anfang sein

Wie sieht ein Autor diese Entwicklung? Ratlos, aber überhaupt nicht verwundert.

Egon Ammann meinte noch bei Ankündigung der Verlagsliquidation: Er wüsste, wie man ein neues System aufbaut, um die an Literatur interessierten Leser zu erreichen. Klubs, Karteikarten, jeden Einzelnen zusammentrommeln. Gut, daran haben auch schon andere gedacht, aber wie viele bringt man, sagen wir (und ich nenne jetzt Klassiker) zusammen für eine neue Edition von Samuel Beckett? Für Flauberts Bouvard und Pécuchet? Für Paul Nizon, Gerhard Amanshauser, Wolfgang Hildesheimer?

Ich habe eben nur aufgeblickt auf das unterste Regal in meinem Büchergestell. Also, wie viele? Wie viele Exemplare hat der letzte Michael Stavariè, der letzte Klaus Merz verkauft? Peter Handke? Adolf Muschg? Christoph Geiser?

Von einigen weiß ich es, und man würde sich wundern. Viele Kolleginnen und Kollegen treffe ich, zusammen mit meiner Wenigkeit, in Ramschkörben an. Wir sind in guter Gesellschaft, doch keiner sagt was. Mit dem Ende von Ammann (und auch demjenigen von Engeler, dem Lyrik-Verleger) hat das eine Menge zu tun. Die Auflagen sind gesunken, und zwar von allen, die sich einbilden, anspruchsvolle Literatur zu schreiben. Stark gesunken - in manchen Fällen in den Bereich der wenigen hundert Exemplare.

Das ist auch bei mir der Fall: Von meinem ersten Buch, Der Großvater, verkauften sich 1985 und später in verschiedenen Editionen (Taschenbuch, Buchklubausgaben etc.) noch über 10.000 Exemplare; von da an dümpelten die Auflagen um die 4500 (mit Taschenbuch), ein Erzählband erreichte noch 1800, zuletzt lagen die verkauften Bücher bei unter 1000. Jeder Autor fragt sich: "Bist du so viel schlechter geworden?" , "Bist du nicht mehr in?" , "Ist dir der Stoff ausgegangen?".

Vielleicht. Doch zunächst einige Tatsachen: 1985 gab es in der Schweiz noch den Buchklub Ex Libris der Lebensmittelkette Migros - und sicher Ähnliches in Österreich und Deutschland. Ex Libris sorgte mit Nachauflagen oft für die Verdoppelung der ersten Ausgabe im Hardcover. Piper, wo meine ersten drei Bücher im Pocket erschienen, baute damals seine Taschenbuchreihe aus, die später erheblich eingedampft wurde: Eingekauft wurde, wie dies übrigens auch Suhrkamp tat und mir ein Lektor dieses Verlags einmal erklärt hat, nach "literarischen Landschaften" : Bestimmte Schweizer, bestimmte Österreicher wollte man haben.

Andere Tatsachen: Bis zu meinem vierten Buch, 1993, wurden alle ausnahmslos in der ganzen Schweizer Presse und in einigen deutschen Zeitungen besprochen. Damals galt es als ausgemacht, dass die Feuilletons sich um die Literatur im eigenen Land zu kümmern hätten. Heute lese ich, nur ein Beispiel, im Zürcher Tages-Anzeiger zwar eine ganze Seite über das Ende des Ammann Verlags, aber sonst tut sich diese Zeitung in ihrem Kulturteil vornehmlich mit Madonna und Michael Jackson, Micky Maus und Tom Cruise, Feuchtgebieten und der Love-Parade hervor. Deshalb sind es in manchen Fällen Krokodilstränen, die jetzt zum Ende von Ammann vergossen werden. Literatur ist auch in den Feuilletons etwas für Ewiggestrige geworden.

Die Krise der Literatur, was ihre Verbreitung anbelangt, hat viel mit dem, sagen wir es neutral, gewandelten Selbstverständnis von Presse und Journalisten zu tun. Verlage, die nicht über sehr gute Beziehungen zu Fernsehen und Presse (oder über sehr gute Pressedamen, wie es noch einige gibt) verfügen, schaffen es mit gewöhnlichen Romanen ohne Aufregungspotenzial nicht mehr an die Öffentlichkeit.

Auch die Verlage haben sich verändert. Ich gehe immer noch vom Jahr 1985 aus, als ich zum ersten Mal veröffentlicht wurde. Häuser wie Hanser, Suhrkamp, Residenz, Nagel und Kimche, Arche hatten ein klares Profil. Sie veröffentlichten keine Ratgeber, kaum Kriminalromane, keine VIP-Storys, Instantbücher, Leiberl, Scherzartikel usw. Man sah es einem Buch von Hanser nur schon äußerlich an, dass es eines war. Heute lese ich Titel aus diesen Häusern der Art "Wenn wir zu zweit sind, sind wir weniger allein" , "Mord an der Wall Street" , "Glück in sieben Lektionen" .

Dafür finde ich keinen Beckett, keine Gebrüder Goncourt, auch keinen Günter Eich in den Buchhandlungen. Noch vor fünfzehn Jahren gab es in diesen Läden lange Regale mit alphabetisch geordneten Büchern, in denen ich fast alles fand, was ich suchte, mich selbst inbegriffen, zwischen Francis und Franzobel. Heute ist nicht mal mehr Frisch halbwegs komplett, und von Dürrenmatt liegen nur die Kriminalromane herum. Dafür stapeln sich die Forsyth, Wilbur Smith, Clancy ...

Die Lesegewohnheiten haben sich verändert: Ich komme aus einer nicht besonders bildungsnahen Familie (aber Politik und Wirtschaft waren immer Themen, mit den entsprechenden Zeitungen), doch mir wäre nicht eingefallen, falls ich sie in meiner Buchhandlung überhaupt gefunden hätte, nach dieser angelsächsischen Massenware zu suchen. Ich kaufte mir die billigen dtv-Ausgaben von Böll, sogar eine Anthologie österreichischer Autoren von Amanshauser bis Artmann, Handke bis Rosei; die Bachmann im Piper Verlag; Bichsel und Grass bei Luchterhand im Taschenbuch.

Traditionslos

Meine Söhne sind große Leser. Der ältere hat nun das Alter, das ich hatte, als ich alle die Bölls las. Ich versuchte ihn mit Hildesheimers Lieblosen Legenden und Bölls Nicht nur zur Weihnachtszeit anzustecken. Er las je eine Erzählung, aber ... es war nicht seine Welt. Geprägt von digitalen Medien, Fernsehen, Film liest er jedoch ohne weiteres Thriller von 600 Seiten Länge. Alessandro Barrico, der italienische Autor, hat diesen Paradigmenwechsel einmal analysiert: Bis zum Mauerfall (einer Wegmarke für vieles) galt als der Referenzrahmen für die Literatur die Tradition der Literatur selbst. So verhielt ich mich im Alter meines Sohnes: Ich kaufte mir die dtv-Bändchen nach der Lektüre von bestimmten Autoren in der Schule, auf Empfehlung eines anderen Lesenden, auch versuchsweise (dtv hatte ein Profil). Nach Barrico verhält sich heute kein Käufer von Literatur mehr so. Sein Referenzrahmen geht über die Tradition der Literatur hinaus - der Literaturgeschichte zum Beispiel, die er in der Schule gelesen hat - oder sieht gänzlich davon ab. Seine Erwartungen an ein Buch sind geprägt von Actionfilm oder Soap, Comic oder Märchen, House oder Techno, Mode oder Design. Barrico, einem erfolgreichen Autor, gelingt es offenbar, eine Brücke zwischen diesen beiden Polen zu schlagen, zwischen traditioneller und außerliterarischer Erwartung. Oder vielmehr: Es gelang ihm in den Neunzigerjahren, denn heute ist auch er wieder aus der Mode, eben doch zu "literarisch".

Auch ich bin zu literarisch, um auf die andere, die neue Seite des Paradigmas zu gelangen. Das bewiesen Kommentare von Lesern zu meinem letzten Buch, das zwei Erzähler hat. Das genügte schon, damit - durchaus lobend übrigens - der Roman als "experimentell" eingestuft wurde. Egon Ammann, für den es nach seiner Selbsteinschätzung keinen Nachfolger geben kann (nicht nur aus Eitelkeit, sondern weil er mit Literaturvorstellungen aufgewachsen ist wie etwa ich) hat erkannt, dass sein Verlag zu einem billigen HipHop-Unternehmen werden würde, wollte ihn jemand weiterführen. Mit Lektoren, die allenfalls etwas von Literatur verstehen, den Autoren dann aber sagen (müssen): "Sie kommen doch aus Norditalien. Wir haben da ein Projekt über die Polenta ..."

Natürlich schmerzt mich das. Aber gesellschaftliches Denken, das ich mir nicht abgewöhnen kann, hilft mir. Auch historisches: Mir fällt etwa ein, dass um das Jahr 600 nach Christus im römischen Westreich, das von Goten erobert worden war, die Schrift innerhalb von wenigen Jahrzehnten verschwand, weil sie den Eroberern unbekannt war und von ihnen als überflüssig erachtet wurde. Der Mensch passt sich den Umständen an. Und der Autor? Ist auch nur ein Mensch: Einige, die ich kenne, suchen sich jetzt historische Stoffe; versuchen Annäherungen an Paris Hilton; schreiben Wander- oder Pendlerbücher; bilden sich zu Weindegustatoren aus; gehen der Volksmusik nach; werden stilistisch schwächer, aber persönlich stärker, und das heißt: auffälliger. Von den Etablierten, die partout nicht untergehen wollen - und das kann man ihnen ja nicht verübeln -, lernt man ja, wie man Medienskandale inszeniert. Aus der Presse, auch aus den Feuilletons kann man die in der VIP-Lounge angesagten Themen entnehmen. Marktangleichung, Marktanpassung, Marktfähigkeit nennt man das.

Wer nicht mitmacht, muss verstummen. Ammann hat recht, wenn er aufgibt. (Dante Andrea Franzetti, ALBUM - DER STANDARD/Printausgabe, 22./23.08.2009)

Martinsfenster in der St. Ägydius-Kirche in Pötzleinsdorf

Bestattung? Bitte billig!

Günstige Sammelgräber werden immer beliebter, Grabsteine im Internet bestellt, Trauerfeiern immer seltener.

Im Leben gibt es kaum etwas geschenkt. Und auch der Tod ist nicht gratis. Bestattung, Grabstelle, Trauerfeier - da können schnell 10 000 Euro zusammenkommen. Aber das kommt für viele Hinterbliebene nicht in Frage. Selbst beim Abschied von einem geliebten Menschen machen sie da offenbar keine Ausnahme. "Die Leute sparen am Tod", sagt Joachim Gersch, Friedhofsverwalter in Ahrensburg.

Er berichtet von einem Trend, der nicht erst seit der Wirtschaftskrise erkennbar sei, sondern schon seit fünf, sechs Jahren. "Viele haben das Geld einfach nicht. Die Frage 'Was kostet mich das?' ist gang und gäbe." Das bekomme die ganze Branche zu spüren. "Es werden zum Beispiel Preise von Bestattungsinstituten verglichen, und örtliche Steinmetze stehen im Wettbewerb mit Anbietern aus dem Internet", sagt Gersch, "die Pietät auf diesem Sektor verändert sich."

Olaf Falke vom Ahrensburger Beerdigungsinstitut Falke bestätigt, dass bei der letzten Ruhe zunehmend aufs Geld geachtet wird: "Etwa die Hälfte der Kunden interessiert sich für günstige Bestattungsvarianten." Einen Grund dafür sieht Falke im Wegfall des Sterbegeldes. Früher übernahm die Krankenversicherung einen Teil der Bestattungskosten, umgerechnet 2000 Euro wurden gezahlt, seit 2004 müssen die Angehörigen alles selbst bezahlen.

Auf dem Ahrensburger Friedhof ist die günstigste Bestattungsform der Kieferngarten, ein Urnengemeinschaftsgrab ohne Namensnennungen. "Die Grabkosten betragen 290 Euro", sagt Joachim Gersch. Zum Vergleich: Ein Einzelgrab kostet etwa 810 Euro. "Hinzu kommen noch die Kosten für Grabpflege, Grabstein und Bepflanzung."

Den Kieferngarten gibt es seit November 2005. Die Standorte jeder Urne werden mit einem Ziergras gekennzeichnet. "Die Verstorbenen werden also namenlos, aber nicht ortlos bestattet." Das sei vor allem für die Hinterbliebenen wichtig. Gersch sagt: "Anders als bei anonymen Bestattungen, die wir bis 2005 hatten, können Angehörige bei der Beisetzung dabei sein und wissen genau, wo die sterblichen Überreste des Verstorbenen liegen. Sie haben einen Ort, an dem sie trauern, Blumen ablegen an den Verstorbenen denken können." Viele würden mit der seelischen Belastung nicht fertig, nicht zu wissen, wo der Verstorbene begraben liegt. "Dieser Anonymität wollten wir mit dem Kieferngarten entgegenwirken", sagt der Friedhofsverwalter. "Wir haben uns bewusst dafür entschieden, Verstorbene nicht mehr still und leise irgendwo auf der grünen Wiese zu beerdigen." Jemanden völlig anonym zu bestatten, müsse nicht sein - auch nicht aus Kostengründen. Und das Angebot sei sehr gefragt. "Bisher hat es dort 180 Urnenbeisetzungen gegeben. Von den durchschnittlich 330 Bestattungen im Jahr sind rund 25 Prozent im Kieferngarten", sagt Gersch. Zwei Drittel dieser Bestattungen seien ohne Trauerfeier. "Eine erschreckend hohe Zahl", meint er.

Auch Bestattungsunternehmer Olaf Falke vom Beerdigungsinstitut Falke sagt: "Ja, wir beobachten, dass immer häufiger keine Trauerfeiern gewünscht werden." Weil es den Hinterbliebenen zu teuer sei. Weil sie keine Trauerfeier wollten. Oder weil es keine Angehörigen oder Bekannten mehr gebe.

Der Ahrensburger Pastor Detlev Paschen nennt diese Menschen die "unbedacht Verstorbenen". Menschen, die ohne Verwandte oder Freunde beigesetzt werden. Die unbedacht Verstorbenen seien eines der seelsorglichen Themen, mit denen er sich dieses Jahr intensiver auseinandersetzen wolle. "Das ist ein Trend, der in letzter Zeit erheblich zunimmt", sagt Paschen. Ein Trend, dem er entgegenwirken will. "Bestattungsunternehmer melden sich bei mir, wenn sie einem Toten keine Angehörigen zuordnen können." Er begleite den Bestatter, wenn die Urne beigesetzt wird. "Weil es mir grundsätzlich wichtig ist, dass Verstorbene nicht unbedacht bleiben", sagt Paschen. Im Gottesdienst wird der Namen unter Gottes Wort und Gebet genannt, und die Gemeinde nimmt Anteil. Die Gründe dafür, dass Menschen versterben und kein Lebender davon Notiz nimmt oder nehmen will, seien vielfältig. "Auch ich kann nur Vermutungen anstellen, welche Faktoren eventuell dazu beitragen", sagt der Pastor. Die Familienverbunde seien beispielsweise kleiner geworden, und die soziale Bindung sei früher wesentlich höher gewesen. "Manchmal wollen sich die Angehörigen auch der Pflicht entziehen, die Bestattung zu übernehmen. Oder es sind keine Verwandten zu ermitteln." Andererseits hätten viele den Wunsch, nach dem Tod niemandem zur Last zu fallen. "Sie wollen anonym bestattet werden."

Joachim Gersch schätzt, dass in Deutschland ein Drittel der Toten anonym beigesetzt wird. Wenn sich die Eltern eine anonyme Bestattung wünschten, seien die Kinder jedoch häufig unglücklich damit. "Sie wollen den Willen der Verstorbenen respektieren, aber auch einen Ort zum Trauern auf dem Friedhof", sagt Pastor Paschen.

Der Kieferngarten kann beide Ansprüche er füllen. "Es kommt häufiger vor, dass mich eine Familie bittet, sie zur Beisetzung zu begleiten. "Ich halte an dem Urnengrab dann eine Ansprache, in der ich mit den Angehörigen in besonderer Weise den Dialog suche", sagt er. "Mein Ziel ist, die Lebensmelodie des Verstorbenen zum Klingen zu bringen." Mit Geld hat die seelsorgerliche Arbeit von Pastor Paschen nichts zu tun: "Einige denken jedoch, dass ein Pastor extra kostet, wenn er bei der Bestattung dabei ist."

Doch das ist - Gott sei Dank - nicht so. Wenigstens den Beistand der Kirche in den schweren Stunden des Abschieds von einem geliebten Menschen gibt es weiterhin gratis.

Franziska Behring: Jetzt sparen die Menschen sogar am Tod, Hamburger Abendblatt

Motiv-Papiertaschentuch

Rudolf Bultmanns 125. Geburtstag

Als ich mich 1979 in Marburg immatrikulierte, war Rudolf Bultmann schon mehrere Jahre tot. Aber sein Ruf überstrahlte die Fakultät noch nach außen. In Marburg Theologie studieren? Bei allen Frommen löste ein solcher Satz Entsetzen aus. Wie konnte man sich nur freiwillig in die Höhle des Löwen begeben?
Die Wirklichkeit entsprach dem Ruf tatsächlich. Der Fachbereich Evangelische Theologie war (und ist) bekannt für seinen kritischen Geist. Und genau das war befreiend. Es gab keine Denkverbote und keine falschen Fragen. Der Geist der Freiheit wehte durch die Korridore der "Alten Universität", in der der Fachbereich untergebracht ist.
Bultmann selbst war inzwischen schon Theologiegeschichte. Man sprach mit Anerkennung von ihm, aber auch in sachlicher Distanz. Die Debatte um die Entmyhologisierung war zu Ende. Als Exeget wurde er mehr oder weniger geschätzt, als systematischer Theologe nicht wirklich ernst genommen.
Sein berühmter Entmythologisierungsaufsatz stammt ja aus dem Jahr 1941. Ich habe mich immer gefragt, wie weltfremd dieser Theologe gewesen sein musste, in jenen Zeiten solche Gedanken zu denken. Dabei stand er der Bekennenden Kirche nahe. Aber vielleicht bescherten gerade jene finsteren Jahre dem Denken auch einen Freiraum.
Die Anfrage Bultmanns an die Konsistenz unseres Weltbildes bleibt. Kann man zugleich moderne Technik nutzen (den Lichtschalter betätigen) und an das Weltbild des Neuen Testaments glauben? Wir sind heute schnell bei der Hand, Bultmann vorzuwerfen, er sei im naturwissenschaftsgläubigen 19. Jahrhundert stecken geblieben. Tatsächlich habe ich in meinem Leben keine glühenderen Anhänger eines platten Materialismus getroffen als ausgerechnet evangelische Theologen, die jede Möglichkeit einer weiter gehenden Wirklichtssicht ablehnten. So gesehen war Bultmann zumindest sehr wirkmächtig. Und seine Anfrage ist berechtigt. Jeder Theologe, der wirklich mit Gottes Handeln, mit seinem Eingreifen in unser Leben, mit Wundern rechnet, ist um der intellektuellen Redlichkeit willen gezwungen, sich und anderen Rechenschaft zu geben von den Grundlagen seiner Wirklichkeitssicht. Das hat Bultmann der Theologie bleibend ins Stammbuch geschrieben.

Ein Gedicht aus dem Jahr 1914

Mädchennacht

Der Mond ist warm, die Nacht ein Alkohol,
Der rasch erglühend mein Gehirn betrat,
Und deine Nacktheit weht wie der Passat
Trocknend ins Mark.

Du hast ein weißes Fleischkleid angezogen.
Mich hungert so - ich küsse deine Lippen.
Ich reiße dir die Brüste von den Rippen,
Wenn du nicht geil bist!

- Küsse sind Funken, elektrisches Lechzen
Kupferner Lippen, und die Körper knacken!
Mit einem Sprunge sitzt mein Kuß im Nacken
Und frißt dein Bäumen und dein erstes Ächzen.

Und als ich dir die weißen Knie und,
Dein Herz verlangend, allen Körper küßte,
Geriet mein Schröpfkopf unter deine Brüste;
Da drängte sich das Herz an meinen Mund.

Paul Boldt (1885-1921)

Fast ganz vom Gerüst befreit

Die Ostseite unserer Kirche. So habe ich sie noch nie zuvor gesehen.

Samstag, 22. August 2009

Wahrsagerei

Ob Kartenlesen, Handlesen oder die Sternendeutung (Astrologie). Viele Menschen sehen diesen alten Ritualen immer noch wohlgesonnen gegenüber, und geben dafür auch Unmengen an Geld aus. Selbst in großer finanzieller Not werden noch Unsummen an Geld ausgegeben, um mit einen sogenannten Hellsehersprechen zu können. Oftmals begibt man sich damit sogar in die Schuldenfalle.

Deshalb ist es auch nicht verwunderlich, dass Webseiten, die das Thema Wahrsagen beinhalten wie Pilze aus dem Boden schießen. Auch im TV sind solche Methoden angesagt wie nie. AstroTV zum Beispiel, läuft ununterbrochen auf verschieden Sendern wie 9Live, Das Vierte und weiteren kleinen Sendern. Doch der Sinn solcher Sendungen sollte jedem klar sein. Es geht hier nicht um das wirkliche Vorhersagen von Ereignissenesoterikeines einzelnen Menschen. Bestimmte Situationen, die oftmals im Leben eintreffen werden hier ausgenutzt. Geldmangel, Liebeskummer, Partnersuche und Eheprobleme werden hier oft als erstes ins Spiel gebracht. Das die meisten mit derartigen sozialen Problemen oft schon konfrontiert worden, ist wahrlich kein Scherz. Nur was man ihnen dann für 2 Euro die Minute für Ratschläge, oder besser gesagt Zukunftsaussichten stellt, sind nur erstunken und erlogen. Hier gilt einfach nur, den Betroffenen so lange wie möglich in der Leitung zu halten. Es ist also nicht der Ehrgeiz vorhanden um den Anrufer zu helfen, sondern ihm so viel Euros wie möglich aus der Tasche zu ziehen. Im Zeichen der „Weltwirtschaftskrise“ ein wahrlich lukratives Geschäft.

So auch die bekannte Firma Questico, die sich mit dem selben Thema befasst. Horoskope, Engelkontaktu.s.w. Die perfekte Lebensberatung mit 0% Wahrheitsgehalt. Das unsere Mitbürger reges Interesse an diesem Hokuspokus haben, zeigt der Umsatz der Questico AG aus dem Jahre 2007. Ganze 60 Mio. Jahresumsatz erwirtschaftete man in nur einem Jahr . Für die AG ein wahrlich lukratives Geschäft, für den Verbraucher oftmals ein Finanzdesaster.

Vor allem unsere Frauen sind hier in diesem Bereich die besten Kunden. Ob es an der Leichtgläubigkeit oder sonst etwas liegt sei erst einmal dahingestellt. Jedoch gibt es Fälle, indem man sage und schreibe bis zu 3 Std. amwahrsager Tag damit verbringt, sich mit einem Seher zu unterhalten. Die Rechnung am Ende des Monat fällt dabei dementsprechend hoch aus. Und das man sich solche „Dienstleistungen“ nicht lange, wenn überhaupt leisten kann, ist eine Tatsache. Viele betroffene Menschen sprechen sogar schon von einer Art Sucht. Vielleicht ist dies aber auch das Geschäftsmodell einiger Unternehmen. Sucht ist Abhängigkeit – Abhängigkeit bedeutet regelmäßig, also täglich so oft es nur geht. Da klingeln doch die Kassen dieser Unternehmen. Diese Masche kennen wir doch zu genüge. Tabak und Alkohol sind hier das beste Beispiel. (...)

Aus dem "Abzocke-Blog"