Mittwoch, 23. Juni 2010

Bitte um Verzeihung

Der vormalige Augsburger Bischof Walter Mixa hat ein Entschuldigungsschreiben verfasst, mit dem er hoffentlich für seine Person retten kann, was noch zu retten ist. Die Botschaft von der Vergebung und die Forderung der Versöhnung gilt natürlich auch in Bezug auf seine Person.

"Während der vergangenen Monate ist sehr viel in den Medien über die Verhältnisse in der Diözese Augsburg, auch über meine Person, geschrieben und gesagt worden.
In vielfältiger Hinsicht waren die Berichte in dieser oder jener Richtung tendenziös.

Über diese vergangenen Berichte will ich jetzt nicht sprechen, da sie weitgehend bekannt sind. Mir geht es mit meinem jetzigen Zeugnis nicht nur um eine Klarstellung, sondern darum, auch eine Versöhnung zu erbitten und alle dazu einzuladen.

14 Jahre lang bin ich sehr gern Diözesanbischof sowohl in Eichstätt als auch in Augsburg gewesen und habe meine bischöflichen Dienste mit großer Bereitschaft und Liebe getan.

Ebenso war ich in der Militärseelsorge mit unseren Soldaten in den verschiedenen Situationen immer gut verbunden und habe versucht, ihre Sorgen und Anliegen mitzutragen und auch den nötigen Trost zu geben.

Wie allgemein bekannt, bin ich durch die widrigen Umstände, die sich wegen der Mißhandlungsfälle in verschiedenen Internaten und Häusern ergeben haben, auch ins Gespräch gekommen. 20 Jahre hatte ich als Stadtpfarrer von Schrobenhausen eine Mitverantwortung für das dortige Kinder- und Jugendheim.
In den vielen Jahren meines Dienstes habe ich immer versucht, den richtigen Weg einzuschlagen und mich bemüht, die Erwartungen von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen zu erfüllen.

Ich will keineswegs verschweigen, daß mir nicht immer alle diese Vorsätze in der rechten Weise gelungen sind. Ich habe sicher auch viele Fehler gemacht, obwohl ich niemanden in irgendeiner Weise verletzen oder beschädigen wollte.

Es soll aber nicht irgendeine Beschönigung ausgesprochen werden, sondern ich bitte nicht nur um Entschuldigung, sondern vor allem um Verzeihung für alles, was ich nicht recht gemacht habe und vor allen Dingen um Verzeihung bei all den Menschen, die ich nicht in der rechten Weise behandelt habe, deren Erwartungen ich nicht erfüllt habe und die ich enttäuscht habe.

Dies tut mir von ganzem Herzen leid.

Ein großer Trost ist für mich, daß in der Botschaft Jesu immer wieder die Rede ist von der Barmherzigkeit, die Gott uns in der Liebe Jesu schenkt. Damit will ich sagen: ich bin in vieler Hinsicht schuldig geworden und bitte alle, die ich enttäuscht habe, nochmals nicht nur um Verständnis, sondern auch um Verzeihung.

Wegen der sich zusammenbrauenden Berichte in der unterschiedlichsten Weise sah ich mich in einer sehr schmerzlichen Situation veranlaßt, sehr schweren Herzens dem Papst meinen bischöflichen Dienst anzubieten, die sogenannte Resignation auf das Amt des Diözesanbischofs auszusprechen.

Für mich ist es jetzt von einer ganz großen Bedeutung, daß in unserer Diözese gegenseitige Streitereien und gegenseitige schwerwiegende Vorwürfe abgebaut werden und daß wir alle zu einem guten Einverständnis und zum Frieden in der Gemeinschaft der Kirche finden.

Der Heilige Vater hat mir in seinem sehr liebevollen Brief geschrieben, daß ich nach meinem Rücktritt von meinem Bischofsamt in Augsburg immer Bischof bleibe und daß ich die geistlichen Dienste wie die Feier der Eucharistie, die Spendung der Sakramente, auch der Firmung, wahrnehmen sollte und in unterschiedlicher Weise auch geistlich für viele Menschen da sein kann.

Gleichzeitig sage ich allen unseren Priestern, Diakonen, hauptberuflichen und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für ihre verantwortungsvollen Dienste ein aufrichtiges Vergelt’s Gott!

Wichtig ist für mich jetzt vor allen Dingen, daß wir uns alle durch Taufe und Firmung als Gemeinschaft innerhalb der katholischen Kirche verstehen, daß wir füreinander eintreten, aber auch füreinander beten und besonders auch mit Überzeugung die Eucharistie als Zeichen der Einheit feiern.

Mit diesem Wunsch bitte ich alle in der Diözese nochmals um Verzeihung für das, was ich nicht richtig gemacht habe und bitte gleichzeitig um die Bereitschaft zur gegenseitigen Versöhnung und auch wieder zu gegenseitigem Vertrauen.

Das ist mein ganz großer Wunsch, und ich hoffe und bete darum, daß uns dies in der kommenden Zeit mit dem Segen Gottes, mit der Fürsprache der Gottesmutter, nicht zuletzt auch durch das Beispiel der Heiligen gelingen möge.
"
Das ist immerhin einmal Klartext. Vermutlich ist Mixa so oder so ein gebrochener Mann. Mancher wird ihm nicht verzeihen können oder wollen. Immerhin hat er jetzt das bischöfliche Palais geräumt. Anders als bei Frau Kässmann wird man von Walter Mixa wohl nicht mehr viel hören. Mögen ihm friedliche Altersjahre beschert sein.

Dienstag, 22. Juni 2010

Aus dem Herzen gesprochen


Gesehen bei meiner Apotheke.

Anleitung zum Totenkult

An die Toten denken

Wie ein Grab Ihnen beim Leben helfen kann

1. Besuchen Sie das Grab eines „Schwarzen Schafs“

Wenn Sie gemerkt haben, dass ein bestimmter verstorbener Verwandter ausgeschlossen oder nicht gewürdigt wird, dann sollten Sie sein Grab besuchen. Davon kann eine heilende Wirkung für Sie und Ihre gesamte Familie ausgehen. Aber auch jeder andere Besuch am Grab eines Verwandten tut gut.

2. Gehen Sie möglichst allein hin

Die größte Kraft hat ein Besuch am Grab, wenn Sie es ohne Begleitung tun. Wenn Sie mit anderen hingehen, etwa anlässlich eines Verwandtenbesuchs, dann unterhalten Sie sich während des Wegs zum Grab nicht über Belanglosigkeiten. Bringen Sie das Gespräch auf den Toten, und erinnern Sie sich gemeinsam vor allem an das Gute, was er Ihnen allen hinterlassen hat.

3. Nutzen Sie den Weg zum Grab

Meist ist es ein bewusster Entschluss, zum Friedhof zu gehen, dem vom Alltagsleben abgeschiedenen Ort. Lassen Sie auf diesem Weg die Alltagssorgen hinter sich. Gewinnen Sie Abstand, und lernen Sie, auf die Ruhe und den Frieden der Toten zu hören. Achten Sie den Friedhof als einen besonderen Ort, eine Art räumliche Auszeit.

4. Bringen Sie etwas mit

Nehmen Sie eine Blume, ein Gesteck, eine Kerze oder sonst etwas mit, was Sie am Grab lassen können. Das schafft eine Verbindung zwischen der Welt der Lebenden und der Welt der Toten. Sagen Sie beim Niederlegen der Blumen oder beim Anzünden der Kerze: „Ich gebe dir einen guten Platz in meinem Herzen. Bitte segne meine Familie.“

5. Zünden Sie ein Licht an

Die einfachste und wirksamste Meditationshilfe ist eine Grabkerze.„Katholische“ Gräber haben für diesen Zweck meist eine Laterne (warum sollten Sie so etwas nicht auch auf einem „evangelischen“ Grab aufstellen?!). Es tut aber auch ein einfaches Grablicht mit Windschutz.

6. Denken Sie an den Toten

Denken Sie zurück an die Zeit, als er noch Lebte. Rufen Sie sich Begegnungen mit ihm ins Gedächtnis zurück. Falls Sie dabei weinen, hat das eine hilfreiche Wirkung auf Sie. Wünschen Sie dem Toten Gutes. Stellen Sie sich auch umgekehrt vor, wie er jetzt gütig auf Sie sieht und sich freut, dass Sie leben. Sagen Sie sich: „Mit mir soll es gut weitergehen.“

7. Nehmen Sie Abschied

Ein Besuch auf dem Friedhof muss nicht lange dauern, denn es zählt nicht die Zeit, die Sie am Grab verbringen, sondern vor allem die gute Wirkung danach. Sprechen Sie ein Gebet - eines mit Worten oder einfach durch Stille. Stellen Sie sich vor, dass auch die Pflanzen auf dem Grab oder der Grabstein ein Gebet sind.

8. Lassen Sie die Toten zurück

Gehen Sie bewusst vom Grab weg. Machen Sie sich klar, dass die Toten auf dem Friedhof bleiben dürfen und nicht mehr in Ihrem Leben herumspuken müssen. Genießen Sie es, langsam wieder in den Alltag zurückkehren zu können. Freuen Sie sich über Ihr Leben. So kann der Besuch an einem Grab von einer lästigen Pflicht zu einer guten Kraftquelle werden.

© www.simplify.de

Familie: An die Toten denken, Download auf Gefunden auf orgenda.de

Dienstag, 15. Juni 2010

Scharf geschossen

"Hier ist die Wochenschau des Zweiten Deutschen Fernsehens, wir melden uns aus Deutsch-Südafrika.

Es ist uns ein innerer Reichsparteitag, liebe Volksgenossen zu Hause vor den Volksempfängern. Trotz des Lärms, den die Zulu-Kaffer, pardon Neger, hier machen, hat unsere deutsche Truppe die australischen Buschmänner soeben mit einem 4:0 nach Hause geschickt. Seit 20.30 Uhr wurde zurückgeschossen. Lauter Bombentreffer! Scharf ins Hakenkreuzeck. Das Match gegen Coventry seinerzeit war nichts dagegen. Wir sind der Endlösung der Jubelfrage ein schönes Stück näher gerückt. In der VIP-Lounge klirrten in dieser herrlichen Reichskristallnacht bereits die Sektgläser. Heute gehört ihnen Deutschland und morgen die ganze Weltmeisterschaft – den strammen Jungs von der Jogi-Jugend, Mesut Özil, Miroslav Klose, Mario Gomez und Cacau. Ein Volk, ein Land, ein Trainer, wie wir immer sagen. Ja, es geht ein Ruck durch Deutschland, seit wir wieder mal wen aus dem Bezirk Braunau gewählt haben: unsere Alisar, Germanias Nächstes Spitzenmodell. Ein sehr schöner Anschluss-Treffer."


Oliver Pink in der Presse, Rubrik „Pizzicato“ (Print-Ausgabe vom 15.06.2010)

Die sprachliche Entgleisung der ZDF-Moderatorin Katrin Müller-Hohenstein ("innerer Reichsparteitag") macht es den hiesigen Zeitungen natürlich leicht, Spott und Hohn über Deutschland auszugießen.

Montag, 7. Juni 2010

coincidentia

immer
immerzu
immerfort
immerhin
immer her
immer mehr
oder
nichts
nie und nimmer
nimmermehr

Sonntag, 6. Juni 2010

Lutherkirche von der Schumanngasse aus gesehen...


... also näherungsweise von Norden. Beim Bau der Lutherkirche hat man alle Prinzipien des Kirchenbaus über den Haufen geworfen, den Altar nach Westen gesetzt - und den Turm nach Osten, damit er zur Stadt Wien hinübergrüßte - als sichtbares Zeichen der wiedererstandenen, erstarkenden evangelischen Kirche.
Der Bau ist ungewöhnlich prachtvoll geraten. Der Effekt ist, dass heute jeder vorbeifahrende Autolenker oder jeder Passant, der das kleine Schild neben dem Eingang und den Schaukasten ignoriert, denkt, es handle sich um eine römisch-katholische Kirche. Evangelische Kirchen sehen normalerweise in Wien eben anders aus.