Freitag, 14. Mai 2010

Was für ein Wort!

"Der scheidende Linken-Chef Oskar Lafontaine ist 'empört' darüber, dass Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) wegen seiner Erkrankung in Frage gestellt wird. Schäuble selbst würde erkennen, wenn seine Gesundheit das Amt nicht mehr zulasse, sagte Lafontaine. Die beiden Politiker verbindet eine Attentats-Erfahrung."

welt.de

Von Opfer zu Opfer - oder: "Haben Sie denn auch eine Attentats-Erfahrung?" Was für eine Wortschöpfung!

Die arme Zeit

Zifferblatt einer alten Kirchturmuhr als Schmuckelement im Garten des Restaurants "Tuttendörfl" in Korneuburg.

Die arme Zeit. Wir wollten gern,
sie stünde still. Mitunter.

Wie unbarmherzig wir doch sind.
Wie Kinder garstig, kalt.

Dass wir sie nicht einmal auch nur
ein wenig sitzen ließen.

Wir wünschen mancherlei. Die Zeit
muss laufen immerfort.

Donnerstag, 13. Mai 2010

Geld

"Bevor Sie sich etwas kaufen, fragen Sie sich: Wenn mir jemand den Gegenwert in Geld geben würde, würde ich das Geld nehmen? Wenn ja, lassen Sie den Kauf bleiben." Diesen Rat fand ich im Blog "Die andere Seite. Nützliche Gedanken für Andersdenkende" (von Martina Lasar
und Ewald Brunmüller). Ein sehr radikaler Gedanke, keine Frage. Wenn man sich wirklich diese Frage stellte, würde man allen nicht zum Überleben nötigen Konsum wohl einstellen. So mein erster Gedanke.
Aber weiter gedacht: Natürlich würde ich das Geld nehmen. Wozu? Vielleicht um genau dies Etwas zu kaufen. Geschenkt nähme ich es also gern. Vielleicht wäre dann die Conclusio, dass ich diesen Gegenstand wirklich gern haben möchte. Und dann kaufe ich ihn mit noch mehr Überzeugung.
Es hilft alles nichts: Wir kaufen einfach gerne, weil uns das Kaufen als solches ein Beweis eigener Lebendigkeit ist. Consumo, ergo sum. Der Erwerb von Dingen steht dabei oft gar nicht im Vordergrund, so kommt es mir vor. "Ich kauf mir was" - wer mit diesem Gedanken loszieht, der hat ja gar nicht ein bestimmtes Etwas im Sinn, sondern frönt einfach der Lust am Geldausgeben.
Dokumentarfilme im Religionsunterricht stoßen bei den Schülerinnen und Schülern nicht immer auf Begeisterung, aber ich habe es (immer wieder erlebt), dass es bestimmte Beiträge gibt, die einfach aufgrund ihres Inhalts bzw. Themas massiven Widerstand und Widerspruch auslösen. Das ist so bei einer Dokumentation mit dem Titel "Leben ohne Geld", in dem es um Tauschringe und dergleichen geht. Dieser Film löst geradezu Aggressionen aus. Geld ist für uns moderne Menschen kein Tauschmittel, sondern einfach der Inbegriff von Lebendigkeit und Möglichkeiten. Schon im Jahre 1900 nannte Georg Simmel ja die psychologische Bedeutung des Geldes in der Neuzeit "das größte und vollendetste Beispiel für die psychologische Steigerung der Mittel zu Zwecken" (Philosophie des Geldes, ein in diesen Tagen des Leidens an der hochblühenden Spekulation äußerst lesenswertes Buch).

Offenes WLAN

"Wer einen Internet-Zugang über WLAN nutzt, ist nach einem aktuellen Urteil des Bundesgerichtshofes dazu verpflichtet, diesen mit einem individuellen Passwort zu sichern (Aktenzeichen: BGH I ZR 121/08). Bei Zuwiderhandlung droht dem Anschluss-Inhaber eine Abmahnung in Höhe von 100 Euro, wenn sich jemand ohne Erlaubnis mit dem ungesicherten WLAN verbindet und anschließend illegal Daten aus dem Internet herunterlädt.

In einem Prozess klagte eine Musikerin (Inhaberin der Rechte an einem Musiktitel), dass deren Musiktitel über einem privaten Internet-Anschluss von einer Tauschbörse heruntergeladen wurde. Der Anschluss-Inhaber konnte jedoch zweifelsfrei belegen, diesen Download nicht getätigt zu haben, der er zu der Zeit im Urlaub war.

Die Karlsruher Richter haben im konkreten Fall beschlossen, dass sich daraus jedoch kein Anspruch auf Schadensersatz ableiten lässt, sondern lediglich ein Anspruch auf Unterlassung besteht."


Aus einem Newsletter des Software-Anbieters O&O

Schutzsuche

Aufgepickt an einer Klassenzimmertür in der Strassergasse. Manchmal geht's mir auch so.

Mittwoch, 12. Mai 2010

Ökumene von unten

Ökumene beginnt vor Ort in konkreten Situationen, nicht an den Schreibtischen der Theologen oder bei den Kirchenleitungen. Das gilt für das gemeinsame Abendmahl in Strafanstalten und Spitälern und auch für den Religionsunterricht. In deutschen Berufsschulen wird seit Jahren schon gemeinsam konfessions-. ja religionsübergreifender Religionsunterricht erteilt; und im Beruflichen Gymnasium in Hessen gibt es zwar konfessionell getrennten Unterricht, aber die Schüler können frei wählen, ob sie in evangelischen oder katholischen RU oder in Ethik gehen möchten. So hatte ich in Gelnhausen mal eine Muslima im evangelischen Unterricht, Katholiken sowieso, und einige haben sogar in evangelischer Religionslehre Abitur gemacht (schriftlich oder mündlich), ohne dafür einer Sondergenehmigung zu bedürfen. Auf den Abiturzeugnissen stand freilich nur "Religion" - ohne konfessionelle Präzisierung...

Am Währinger Gürtel

Dienstag, 11. Mai 2010

Bitte keine falsche Scham!

"Wer im Antrag für eine Berufsunfähigkeitsversicherung Fragen nach Depressionen, Angstzuständen, chronischer Müdigkeit, einem Nervenzusammenbruch oder anderen psychischen Beschwerden verneint, während er tatsächlich wegen Depression in ärztlicher Behandlung war, handelt arglistig.

Das Landgericht Saarbrücken (AZ: 12 O 193/08) macht damit klar, dass die Versicherung in diesem Fall nicht zahlen muss, weil die Arglist zur Anfechtung des Vertrages berechtigt. In dem Fall hatte der Betroffene nach dem Tod seines Vaters zur Bewältigung der Trauer einen Arzt aufgesucht, diesen Umstand aber nicht für erheblich gehalten. Das sei jedoch nicht angebracht gewesen, entschied das Gericht. Es handele sich bei derartigen Behandlungen eben nicht um alltägliche und vor allen Dingen völlig unwichtige gesundheitliche Einschränkungen, wenn deshalb sogar eine Behandlung stattfindet."

Quelle: http://www.optimal-absichern.de

Klingt banal, ist aber ein weiser Rat

"Betrachten Sie all Ihre Sorgen, Schwierigkeiten und Ängste – finanziell, beruflich, gesundheitlich, in der Partnerschaft usw. Schreiben Sie am besten alles, was Sie belastet, auf eine Liste. Dann schreiben Sie in großen Buchstaben darüber: All das habe ich geschaffen. Ihr Leben ist das Resultat von Entscheidungen, die Sie getroffen haben. Sie können es auf niemand anderen abschieben.

Viele Menschen werden gegen eine solche Sichtweise protestieren: Ob ich mich in meinem Beruf wohl fühle, hängt doch auch von meinen Kollegen und meinem Chef ab. Damit eine Ehe gelingt, braucht es doch 2 Menschen. Dass meine Steuerlast wächst, liegt doch an der Regierung. Das stimmt. Aber machen Sie sich klar: Wie Sie die anderen Menschen und die Situation um sich herum in Ihrem Inneren wahrnehmen, hängt einzig und allein von Ihnen ab."


Aus einem Newsletter von simplify.aktuell unter der Überschrift "Für das Plus an Zufriedenheit: Vereinfachen Sie Ihre Ansprüche" unter dem Zwischentitel "Übernehmen Sie Verantwortung"

Ein spannender Ratschlag. Wenn man so alles über das eigene Leben notiert (oder aufzeichnet, in einem Diagramm einträgt oder wie auch immer), kommt man vielleicht darauf,wie unwesentlich, unbedeutend, verschwindend dieses eigene Leben ist - und noch mikroskopischer sind unsere eigenen Nöte und Sorgen. Unterstützend empfiehlt sich ein Blick in die Zeitung oder ein einfacher Stadtspaziergang. Der wache Blick in die Welt macht uns bescheiden auch in unserem Sorgen.

Aus dem Jahreslauf des Bäckers

Gesehen in Grinzing.